Gedanken

Ich kann und will mit meinen Bildern nicht die Welt verändern. Ich will jedoch sichtbar machen, wie sich das flüchtig Wahrgenommene, das spontan Erlebte wie auch das unverrückbar Festgefügte zu einer neuen Wirklichkeit verdichten können. Auch wenn Ruhe und Gleichgewicht meine Malerei prägen, ist mir das angepeilte Ziel doch eine grosse Herausforderung, die ein permanentes Abwägen, Weglassen, Ergänzen und schliesslich Entscheiden verlangt.

Während des Malvorgangs bin ich in fortwährendem Gedankenaustausch mit dem entstehenden Bild. Mal «führt das Bild das Gespräch», mal «rede ich». Am Schluss müssen beide Ansichten in den Pinsel einfliessen.

Ich weiss Einiges über Maltechnik, Farbenlehre, Komposition, Proportionen. Doch wenn mir ein Bild gelungen ist, wird mir bewusst, dass ich während der Arbeit nie an diese Theorien gedacht habe …

Ich liebe es, die Welt der kleinsten Erscheinungen ins Grosse, Gewichtige zu erheben. Die Schönheit und Eigenwilligkeit winziger Formen von Blütenblättern, Wurzeln und Stängeln steht der Attraktivität der gewaltigen, erhabenen Erscheinungen von Küsten, Bergen und Felsen in nichts nach.


Die Natur ist meine Lehrmeisterin. Ich halte sie in vielen Skizzen fest. Sie sind Notizen für mein Formenrepertoir. Irgendwann erkenne ich sie auf der Leinwand wieder. Formen sind häufig bloss Fragmente eines Gegenstandes. Sie sind Denkanstösse zu eigenem aktivem Formbilden.

Esther Schwarz