Zur Malerei von Esther Schwarz

Von feinfühligen Zeichnungen über Collagen in gewagten Mischtechniken bis hin zu ihren grossflächigen Acrylbildern blickt Esther Schwarz auf eine nie unterbrochene künstlerische Entwicklung über Jahrzehnte zurück.

Ihre Themen – früher die menschliche Gestalt in vielen Bezügen, später Landschaften, Vegetatives, Atmosphärisches in allen Ausformungen – kreisen letzlich immer um Makro- und Mikro-Kosmos. Stein- und Felsgrau, Eisblau und Nachtblau oder warmes Rot greifen streitbar ineinander, bersten. Nebel verschleiern, Blatt-Pflanzen wuchern und vergehen.

Die Künstlerin malt oft an mehreren Bildern gleichzeitig, komponiert sozusagen orchestral z.B. Bilder-Zyklen, die sich inhaltlich decken, aber einen Fächer von spannenden Varianten malerischer Entdeckungen ergeben.

Alle ihre Themen giesst Esther Schwarz in abstrakte Form, in Striche und Flächen, geometrische Vokabeln, in ihr “Repertoire”, wie sie es nennt. Kontrastierende Farben, konturiert mit scharfem Bleistift oder mit weichen Kreidelinien, mit unerbittlich harten oder sanftweichen Schatten, sind weitere Stilmittel. Sie liebt Gegensätze wie Hell – Dunkel, Linie – Fläche, lasierend – deckend, statischen Aufbau – im Raum schwebende freie Formen. Letztere prägen die jüngste Schaffensphase der Künstlerin.

Immer sind es auch Dialoge von Fantasie und Realität, von Naturbeobachtung und – davon abgeleitet – dem Ausschöpfen der eigenen sinnlichen Erfahrung. Als Pädagogin – sie unterrichtet Kinder – weiss sie um zentrale Bedeutung lebenslangen Lernens und der Kunst des Umsetzenes, fern jeden Formalismus, jeder Spekulation, jeden Aktionismus.

Esther Schwarz' Bilder sind hartnäckige Schwerarbeit, der man kaum hinter die Kulissen sieht: Bis zu zwanzig lasierende Schichten überlagern sich, lassen jedoch erahnen, durchschimmern, was “darunter” alles passierte , bis die Malerin den Pinsel endlich überzeugt ablegte. Das gibt ihren Arbeiten ihre Tiefe, ihre Wucht, ihre Bedeutung, ihre “Geschichte”. Diese Geschichte ist mitunter auch geprägt von schmerzhaftem Weglassen, von rigorosen Reduktionen auf das Wesentliche.

Remo Galli